Erfahrungen mit dem Leben und seiner Kraft

In diesen stillen Weihnachtstagen sitze ich morgens mit vielen anderen Menschen von 6-7 Uhr in Zoom und gemeinsam ist jeder für sich allein in der Stille. Durch alle Hindernisse hindurch, sitzen wir und atmen. Nach dieser einen Stunde sprechen wir manchmal miteinander. Manchmal  ist da eine Frage, manchmal teilt Eine oder Einer eine Erfahrung.

 

Vor einigen Tagen war das Thema Lebenskraft, Vitalität. 

 

Wir haben eine Zeitlang im Blauen Haus (anklicken, so so schön) gelebt, ein Künstlerhaus (kleines Filmchen) mit der großen Tröster-Familie und der alten Tante Lollo. Und Tante Lollo ist mit 90 Jahren mit uns ganz nah und mittendrin im Leben, in der Küche auf ihrer grünen Chaiselongue, unter dem Fenster, neben dem Küchentisch in der Abenddämmerung für immer eingeschlafen. 
Wir waren uns alle einig – die Erwachsenen und die Mädchen – ihren Körper so lang wie gesetzlich möglich im Haus zu halten und so lag Lollo noch zwei Tage in ihrem kleinen Zimmerchen auf ihrem Bett und jeder konnte sie besuchen.

 

Ich bin in diesen zwei Tagen immer wieder zu ihr gegangen, saß neben ihr und habe sie angeschaut.
Beim ersten Mal ist Adriaan mitgekommen weil ich Angst hatte, in den Raum zu gehen und die kaum fassbare Kälte des nicht 
mehr Lebendigen zu fühlen. Nach diesem ersten Mal bin ich dann immer wieder allein gegangen und saß Stunden bei ihr.

 

Ich habe einfach dagesessen und geschaut. 

 

Ich habe der Vitalität des Todes zugeschaut und der Vitalität des Zerfalls und des Rückzugs.

 

Ich habe erlebt, dass auch der Zerfall, der Rückzug, der Ausdruck des Lebens ist.

 

Und bei all den Menschen die ich begleitete im Sterben oder von denen ich sehr bewusst Abschied genommen habe, in dem Wissen, dass ihr Leben hier zu ende geht, da war dieses tiefe innere Spüren da und ist es noch immer, dass Leben etwas sehr Grobes und Materielles hat und zugleich etwas unfassbar Feines.

Und dass das Grobe, Verkörperte, der Körper mit dem Sterben vergeht und dass das unfassbar Feine, man könnte mit dem Blick des Yoga sagen, die Seele, bleibt und aufgeht in dem Lebendigen um uns herum.

 

Die Frage ist:

Bin ich offen dafür?

Kann ich so in Verbindung mit mir, 
in der tiefen Durchdringung meiner selbst sein,
frei von all den aufwühlenden Gefühlen und Gedanken,
frei von Tun und Machen, 
dass ich das Feine in mir
&
das Feine um mich herum wahrnehmen kann?

 

Kann ich still werden?

Wenn ich das kann, dann kommt der Frieden.

Dann kommt der Frieden der sowieso immer da ist.
Der Frieden in dem wir mittendrin leben.

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Der Frieden der Verbundenheit.

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Dann kommt die Zufriedenheit.
Dann kommt das Glück. 
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Dann ist   a l l e s   was da ist Leben.

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Und dann ist alles was ist,

– egal ob Geburt oder Zerfall –

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Leben

&

Ausdruck von Lebenskraft

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Kalligraphie von Zenmeister Thich Nath Hanh